Auf Nummer sicher

„Auf Nummer sicher“ ist ein TV-Spielfilm aus dem Jahr 2007. Regie bei dem politisch motivierten Science-Fiction führte David Dietl. Der Film wurde vom ZDF erstausgestrahlt und eröffnete 2007 die Filmreihe „Agenda 2020“ im Rahmen vom „kleinen Fernsehspiel“. Das kleine Fernsehspiel bietet beim ZDF noch unbekannten und unverbrauchten Talenten die Möglichkeit, ihre teilweise gesellschafts- und politikkritischen Projekte zu verwirklichen. „Auf Nummer sicher“ stellt dabei einen klar herausragenden Spielfilm dar, der gesamte Film ist kurzweilig und tritt zu keinem Zeitpunkt auf der Stelle. Dazu ist er beinahe schon beklemmend realistisch.

auf_nummer_sicher_1

Das Leben ist derzeit nicht rosig für Sandra, da kommt ein Werbeauftrag wie gerufen

Sandra Harkow (Anne Ratte-Polle) ist eigentlich freischaffende Journalistin, doch gelegentlich produziert sie auch Werbefilme für Auftraggeber. Insbesondere das nun anstehende Werbeprojekt ist für die 33-Jährige ein willkommenes Zubrot, denn finanziell sieht es derzeit nicht sonderlich rosig für Sandra aus. Ihr Mann Heiner (Ralf Dittrich) hat sie für eine andere Frau verlassen, nun ist sie mit dem gemeinsamen Sohn Jakob (Julius Lennert) zu ihrem Vater Walter gezogen. Auch der greift beruflich nach jedem Strohhalm, um nicht sozial abzurutschen. Er arbeitet täglich 12 Stunden für einen Callcenter und in seiner Freizeit recherchiert er über die Stasi, denn mit der ostdeutschen Staatssicherheit hatte er vor langer Zeit unangenehme Erfahrungen. Bei dem Job, der der Berlinerin Sandra Harkow angeboten wird, handelt es sich um einen Promotionfilm vom Interessensverband RFDI (Radio Frequency Identification).

Ein Zeitreisender warnt sie eindringlich davor, den Promo-Film zu produzieren

Bei dem Projekt handelt es sich um einen Mikro-Chip, der schnurlos geortet werden und Daten übertragen kann. In wenigen Wochen steht ein Treffen von wichtigen Politikern und dem Interessensverband an. Dort wirbt der Film für diese zukunftsweisende Technologie, denn kurz nach diesem Termin sollen im Deutschen Bundestag als auch in der betreffenden EU-Kommission wichtige Weichen zu dieser RFDI-Technik gestellt werden. Wie so oft geht es dabei um Milliarden. Doch dann trifft Sandra auf Jonas (Bernhard Schütz), der sich als Zeitreisender ausgibt. Er erzählt ihr, was dieser Identifikations-Chip in der Zukunft anrichten wird, wenn sie den Werbefilm dreht und damit die Politik positiv beeindruckt. Tatsächlich beginnt Sandra daraufhin, Informationen zu dem Chip zu recherchieren und sie auf zahlreiche Ungereimtheiten im Zusammenhang mit der neuen, angeblich bahnbrechenden Technologie.

Ein extrem gut gelungener, vor allem schlüssiger und glaubhafter Polit-Science-Fiction

David Dietl versteht es in grandioser Weise, in den Spielfilm echte Interviews mit realen Politikern wie beispielsweise Angela Merkel oder Wolfgang Schäuble einzubauen und der Story damit das Aussehen einer Film-Reportage zu geben. Das gelingt ihm sogar ausgesprochen glaubhaft, sodass „Auf Nummer sicher“ den Zuschauer beinahe in das Geschehen hineinzieht und der glauben möchte, dass das tatsächlich explosive News sind, die da gerade recherchiert werden. Insofern lassen sich durchaus Parallelen zur US-amerikanischen Erstaufführung des Radiohörspiels „Krieg der Welten“ in den 1930ern ableiten, während dessen Ausstrahlung eine regelrechte Panik unter den Zuhörern ausbrach. Darüber hinaus regt „Auf Nummer sicher“ aber auch zum Nachdenken in Bezug auf die totale Kontrolle an. Das kommt nicht von ungefähr, denn nur wenige Wochen, bevor der Spielfilm gedreht wurde, entbrannte in Deutschland eine heftige Diskussion zu dem neuen, maschinenlesbaren Chip in Reisepässen. Zu diesem Chip steht „Auf Nummer sicher“ im klaren und gewollten Kontext. Neue Brisanz erhält der Spielfilm durch den NSA-Spionage-Skandal von 2013.

Jetzt anschauen in kompletter Länge: